Trump bombardiert (wieder). Wo stehen wir? Neumann, Wegner und Benoist geben Antworten. Ein Überblick.
- Kapitalismus des freien Marktes als Qualität,
- Christentum im weitesten Sinne als Grundlage einer Ideologie von abstraktem Patriotismus, abstrakter Freiheit und abstrakten Menschenrechten,
- verpflichtende Loyalität gegenüber den US-Truppen in aller Welt,
- bedingungslose Unterstützung Israels,
- »Werte«-basierte Auffassung der amerikanischen Geschichte und Identität statt Pragmatismus als Grundlage der Politik.
Wenn das für Sie vertraut klingt, dann sollten Sie anfangen, Fragen zu stellen: Diese weltanschaulichen Fixpunkte kommen nicht etwa aus einem Leak des Mobiltelefons von US-Außenminister Marco Rubio. Vielmehr hat unser Autor Nils Wegner in dieser Aufstellung die Maximen der 1955 gegründeten amerikanischen Zeitschrift National Review zusammengefasst, die dem unheilvollen Einfluss der sogenannten Neokonservativen den Weg bereitete.
Tragischerweise tritt das neokonservative Programm des absoluten Fokus auf (oft gewaltsame) Außenpolitik bei Gleichgültigkeit gegenüber der »Heimatfront« spätestens seit dem gestrigen Enthauptungsschlag der Vereinigten Staaten gegen die venezolanische Regierung wieder in vollem Ausmaß zutage. Donald Trump, der sich seit zehn Jahren selbst als Friedensbringer darstellt und insbesondere den Nahost-Verheerer George W. Bush für dessen Kriegstreiberei scharf angegriffen hat, hat sich nun zum Vollstrecker einer erpresserischen bis mörderischen US-Politik gegenüber Venezuela gemacht, die ausgerechnet dieser Bush jun. 2006 vom Zaun gebrochen und der von Trump verachtete Barack Obama 2014/15 wesentlich verschärft hat.
Trump bombardiert (wieder). Wo stehen wir?
Seit Bekanntwerden der neuesten US-»Intervention« hat die Rechte in Deutschland und darüber hinaus wie – leider – gewohnt reagiert: Die einen beklagen einen weiteren außenpolitischen Amoklauf des Landes der »Piraten und Cowboys« (Nick Land). Viele weitere geben sich betont gleichgültig gegenüber einer Angelegenheit, die »uns« nichts angehe – bemerkenswerterweise sind das oft genau dieselben, die sonst jeden Wimpernschlag von Donald Trump als Erfolg für »uns« bejubeln. Und eine kleine, aber lautstarke Minderheit feiert die amerikanische »spezielle Militäroperation« als Beweis »westlicher« Stärke, wie schon bei den Überfällen auf Syrien, den Iran und andere Staaten.
Wenn dieses Durcheinander der Meinungen eines erkennen lässt, dann doch das: Eine nüchterne, leidenschaftslose Haltung gegenüber unserem angeblichen »Großen Bruder« bleibt auf der Rechten Mangelware. Bei Jungeuropa arbeiten wir seit jeher an einem neuen deutschen und europäischen Selbstbewusstsein – und haben auch in diesem aktuellen Bereich schon geliefert. Marvin T. Neumann zeichnet in Amerikanismus nach, welches Selbst- und Weltbild die Amerikaner motiviert, ihre »Werte« überall auf der Welt durchsetzen zu wollen. Und Nils Wegner hat bereits vor zwei Jahren in Neoreaktion und Dunkle Aufklärung die Entwicklung der US-Rechten erklärt und prophezeit, dass Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit genau so handeln werde, wie er es seit seiner Wiederwahl getan hat. Hinzu kommen die von uns übersetzten Essays von Alain de Benoist, der die Vereinigten Staaten und den von ihnen auch mit Gewalt verbreiteten westlichen Liberalismus seit Jahrzehnten treffsicher seziert.
Jungeuropa-Leser wissen früher mehr – und können in einer Welt der schwindenden Gewissheiten Stellung beziehen.
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