Hochfeste der Scham (II): Besetzte Amerikaner

Anlässlich der Medienkampagne gegen Ulrich Siegmund, den Spitzenkandidaten der AfD zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026, hat Nils Wegner vergangenen November in den sozialen Medien übersetzte Passagen eines Essays über Demütigung als politische Waffe verbreitet. Die aktuellen Fälle des jungen AfD-Politikers Kevin Dorow und der Generation Deutschland Nordrhein-Westfalen zeigen: Schuld und Scham bleiben Knuten des Establishments. Wir präsentieren deshalb mit freundlicher Genehmigung des Autors den Gesamttext in mehreren Teilen.

»Dies ist offenkundig eine stark idealisierte Darstellung des Krieges. Wir sehen ein reines Machtspiel, aus dem jede Spur körperlichen und moralischen Leidens ausgelöscht werden soll. Es wird alles getan, um den Anschein zu erwecken, dass Demütigung kein Teil des Spieles sei.«

Bertrand Badie: Humiliation in International Relations. A Pathology of Contemporary International Systems, Portland 2017, S. 29.

Das wichtigste Verkaufsargument des Liberalismus war, dass er das System sei, das den Menschen den meisten Frieden und Wohlstand gebracht und es dem größten Teil der Menschheit ermöglicht habe, Teil eines Aufschwunges zu sein, der alle mitreiße. Doch alles auf dieser Welt hat seinen Preis. Macht und Status richten sich nicht nach irgendeiner Auffassung von Gleichheit. Deshalb wird nichts in dieser Welt, in der wir leben, für euch einen Sinn ergeben, solange ihr nicht versteht, dass ihr unter einer Besatzung lebt und dementsprechend den Regeln einer Besatzung unterworfen seid.

Wenn ihr nicht dort anfangt, werdet ihr vergeblich nach Erklärungen und Rechtfertigungen für all das suchen, von dem die Leute mit finanzieller und medialer Macht – solcher Macht, die heutzutage viel mehr zählt als politische Macht – wollen, dass die Menschen es als normal ansehen und akzeptieren, von vegetarischen Burgern über Insektenprotein bis hin zu Dragshows mit Kindern. Auf jedes Argument zugunsten von ökologischer Nachhaltigkeit oder der Garantie, dass »sexuelle Minderheiten« möglichst früh und oft ausleben können, was sie »wirklich sind«, muss die Gegenfrage lauten: »Warum sind sie dann so aggressiv dabei?« Warum sind sie so eifrig dabei, »PissEarth, 2025« zu realisieren? Alle denkbaren Begründungen sind nur zusätzliche Anstrengungen im Projekt der totalen Atomisierung der menschlichen Gesellschaft, aber wenn man alle übrigen Schichten beiseite schiebt, um den Kern freizulegen, ihren zentralen Antrieb, dann bleibt nur noch die Scham – die öffentliche Demütigung der Unterworfenen. Ein genüsslicher Festzug der Sieger als bittere Erinnerung der Besiegten an ihren neuen Status.

Öffentliche Demütigung ist untrennbar mit Status verbunden. Im Laufe der Geschichte wurden Menschen verstümmelt, mit Brandzeichen versehen oder tätowiert, um ihnen ihr Recht zu verweigern, sich in die Gesellschaft einzufügen. Sie wurden gekennzeichnet, um den Mitmenschen zu zeigen, was sie getan hatten, um ihr Recht auf ein privates Leben zu verlieren. Ihr auf diese Weise ruiniertes Aussehen sorgte dafür, dass ihr Status dauerhaft niedrig blieb und sie nicht länger selbstbestimmt leben konnten. Die Massenmedien haben diesen Effekt nur noch verstärkt, indem sie die Schande des Dorfes zur Schande der Nation machten.

Die Menschen nehmen nur allzu gern an diesen Schikanen teil, denn oft sind diese der einzige Ausblick auf Selbstverwirklichung1, den sie in ihrem Leben jemals haben werden. Als die Deutschen im Begriff waren, den Zweiten Weltkrieg zu verlieren, wurden die französischen Frauen, die mit Angehörigen der Wehrmacht oder der SS geschlafen oder sich auch nur mit ihnen angefreundet hatten, gewaltsam geschoren und durch die Straßen getrieben. Oft geschah das durch ehemalige Kollaborateure, die sich auf diese Weise den Befreiern (d. h. Eroberern) andienen und ihr eigenes flüchtiges Gefühl von Status bewahren wollten. Das Haar als ein für Frauen wichtiger Aspekt barg verführerische Implikationen, langes Haar galt beispielsweise als ein Zeichen von Weiblichkeit. Indem man ihnen dieses nahm, nahm man ihnen ihren wesenhaften Anspruch, gute Frauen zu sein.

Die Scherer hatten Macht über diese Frauen, und wie wir so oft zu hören bekommen, geht es bei einer Vergewaltigung um Macht, nicht um Sex. Die Verbitterung über die Niederlage gegen die Deutschen erzwang es, die Nation wissen zu lassen, dass jemand den Preis dafür zu zahlen hatte, dass jemand dafür zu leiden hatte und dass die Statushierarchie wiederhergestellt würde. Die gesamte Nation sollte es wissen. Wendy Webster schreibt darüber:

»In Frankreich fand die Schur oft vor den Rathäusern statt, inmitten johlender Menschenmengen, und danach wurden die geschorenen Frauen im Triumphzug durch die Straßen geführt, manchmal nackt. Fabrice Virgili hat berechnet, dass bis zu 20.000 Französinnen geschoren worden sind. Zur Zeit der Befreiung Frankreichs wurden große Mengen von Frauen in aller Öffentlichkeit gedemütigt, während die aufwendige Verbreitung von Bilddokumenten – als Zeitungsfotos und Postkarten – sicherstellte, dass ihre Demütigung in ganz Frankreich bekannt wurde.«

Im Osmanischen Reich gab es die Köçek-Kultur, wobei Knaben im Kindesalter Frauenkleider anzogen, provozierende Tänze aufführten und für sexuelle Dienste zur Verfügung standen. Diese kleinen Jungen mussten tanzen, bis der Bartwuchs einsetzte; sie führten Bauchtänze mit vielsagendem Mienenspiel und als »kokett« beschriebenen Tanzschritten auf – zum Entzücken ihres männlichen Publikums. Die beschriebenen Szenen erinnern an das, was man heute auf einem beliebigen »Gay-Pride«-Umzug oder in einer öffentlichen Bücherei sehen kann. Die meisten Berichte über die Päderastie im Osmanischen Reich stammen offenbar von Menschen, die sie dort mit eigenen Augen gesehen haben, etwa Lord Byron.

Was die Köçekler angeht: Sie wurden im 19. Jahrhundert von den Osmanen verboten, weil um die Gunst dieser Knaben regelmäßig Eifersuchtsstreitigkeiten ausbrachen (wobei sich die Frage stellt, ob das zunehmende Interesse britischer Orientalisten an diesem Phänomen und ihre reißerischen Berichte ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnten). Sie wurden im Alter von sechs oder sieben Jahren »angeworben«. Wie ein Kind als Tänzer »angeworben« werden kann, bleibt ein rhetorisches Rätsel. Es scheint kaum historische Aufzeichnungen darüber zu geben, wie diese Praxis ihren Anfang nahm, doch ist unzweifelhaft, dass diese »Anwerbungen« sich zu abstammungsbezogenen Gilden weiterentwickelten, je mehr sich osmanische Macht und die Haremskultur verfestigten.

Die Entwicklung verlief wahrscheinlich parallel zum System der Devşirme (»Knabenlese«), bei dem aus jedem 40. nicht muslimischen Haushalt ein Kind entnommen wurde, um dem Osmanischen Reich in einer bürokratischen oder militärischen Funktion zu dienen. Man kann darin nur schwerlich etwas anderes erblicken als ein Muskelspiel, um den unterworfenen nicht muslimischen Völkern vor Augen zu führen, dass die Eroberer aus ihren Söhnen Tanzbären, Mädchen und Huren machen konnten und sie selbst nichts dagegen unternehmen konnten. Eine andere für nicht muslimische Knaben reservierte Tätigkeit war die des Tellak, des Bediensteten in der Badeanstalt, der den »Kunden« ebenfalls für sexuelle Dienste zur Verfügung stehen konnte.

Nachdem das Entsetzen über dieses ganze System allerdings abgeklungen war, wurde es für nicht muslimische Familien nicht unüblich, für die Auswahl ihrer Kinder zum Dienst im osmanischen Apparat Schmiergelder zu zahlen, denn ungeachtet der Anforderungen dieser Tätigkeiten boten sie Zugang zu einem besseren und angeseheneren Leben. So war die Ideologie des imperialen Staates, und die Alternative dazu, die eigenen Kinder als Sexspielzeuge wegzugeben, war oft nur deren Dasein als geschundene Arbeiter. Das Ganze war nicht mehr schambehaftet; die Menschen hatten es verinnerlicht.

Die Versuchung ist groß, Parallelen zwischen dieser Gesellschaft und unserer heutigen zu sehen. Wenn wir die aktuelle Kultur betrachten und das, was die mächtigen und privilegierten Institutionen und Medienhäuser dem Durchschnittsamerikaner vorsetzen, dann sehen wir, dass sich die Demütigung von der öffentlichen über die nationale auf die globale Ebene verschiebt. Was soll man dazu sonst sagen? Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass der Durchschnittsamerikaner über seine eigene Kultur bestimmt? Er kann versuchen zu lügen, wenn er will, aber die zynische Weise, in der er über die Institutionen des Landes spricht, und seine Überzeugung, dass böse Weiße arm und dumm seien, verraten ihn.

Wenn Menschen angeblich der gleichen Kultur angehören, sollten sie einander dann betrachten wie Außerirdische oder von der Gegenseite in derart entmenschlichenden Worten sprechen, wie es linke Weiße und Juden über die von ihnen sogenannten Trumpenproles2 tun? Es handelt sich hierbei um stammesmäßige Unterschiede, die aus kriegerischer Perspektive betrachtet werden. Wer würde je davon träumen, seinen politischen Gegner auf eine Weise sexuell zu erniedrigen, wie es viele dieser Demokraten in ihren Cartoons und Memen gegen Trump tun? Wer, wenn nicht Eroberer, ergeht sich in sadomasochistischen Fantasien über seine politischen Gegner, einem Akt voller performativer Gewalt?

Normale Amerikaner schätzen ihr Recht darauf, Waffen zu tragen, und die amerikanische Kultur, tun zu dürfen, was ihnen beliebt, herumzuballern, rotes Fleisch zu essen, viel offenen Raum mit großen Häusern und eine nette, normale Familie zu haben. Darin liegt der Schlüssel zur Demütigung, ob die Menschen es glauben oder nicht. Sie verstehen das oft falsch, weil ihre Hirne von komplexen Ideologien derart vergiftet worden sind, dass sie überall nach Erklärungen suchen. Sie zerbrechen sich den Kopf darüber, warum die Mächtigen alles zerstören wollen, was normale Amerikaner lieben, dabei ist die Antwort ganz einfach: Eben weil ihr es liebt. Es ist ihnen so wichtig, weil es euch so wichtig ist.

Es gibt einen berühmten Reddit-Beitrag, in dem alle Generationen einer weißen Familie in einem großen Haus zu sehen sind. Wenn man Teil des Stammes der normalen Amerikaner ist, dann findet man das nett. Normale Menschen mögen große Familien – zumindest reagieren sie nicht zutiefst verstört, wenn sie eine sehen. Wenn sie eine sehen, werden sie wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise emotional werden. Das Reddit-Publikum hingegen sah einen feindlichen Stamm, der unterworfen und gedemütigt werden musste. Wer, wenn nicht Eroberer, redet so?

Nur ein Eroberer verspürt Schadenfreude, wenn er jemandem, der ihm nicht passt, verspricht, dass dessen Kinder und Enkelkinder dunkelhäutig sein werden. Das ist eine Form des Stammeskrieges, und dieser Stammeskrieg wird von sexueller Gewalt bestimmt. Die alten Griechen hatten ein eigenes Wort für die systematische sexuelle Zerstörung eines Stammes über dessen Frauen: Andrapodizein. Dieser Aspekt der Kriegsführung war »in der Geschichte der Antike zentral für die Kriegsführung und für die Schaffung versklavter oder sonstwie unterworfener Menschen«. Man sah darin ein selbstverständliches Recht der Eroberung. Xenophon schrieb:

»Denn es ist ein ewiges Gesetz in der ganzen Welt: wenn eine feindliche Stadt erobert wird, so ist die Person und die Habe der Einwohner Eigenthum der Eroberer.«

Und in seinen Erinnerungen an Sokrates heißt es, dass es nur gerecht sei, wenn »eine[] feindliche[] Stadt, die uns Unrecht zugefügt hat« versklavt wird. Es sei gerecht, wenn List angewandt werde, um »eine[] feindliche[] Stadt, die uns Unrecht zugefügt hat« zu Fall zu bringen. Es sei gerecht, »einer feindlichen Stadt, die uns Unrecht zugefügt hat« anzutun, was man will. Vae victis. Wehe den Besiegten. Vae iniquis. Wehe den Ungerechten. Ein passendes Gedenken für die liberalen und ethnischen Gruppen auf Eroberungszug, die alles, was den Unterworfenen wichtig ist, als Beute ansehen.

Die wollen eure Waffen, weil sie euch wichtig sind. Die wollen eure Kinder zu Transgendern erziehen, weil sie euch wichtig sind. Die wollen, dass eure Familienmitglieder an Drogen verrecken, weil sie euch wichtig sind. Die wollen, dass eure Kinder anderen für Sex zur Verfügung stehen, um es euch zu zeigen. Die wollen, dass eure Töchter Pornos drehen – nicht, um damit Geld zu machen, sondern damit sie als Unterworfene eines fremden Stammes gefilmt und der ganzen Welt vorgeführt werden können.

Es gibt in der Pornografie eine soziale Dynamik, bei der weiße Frauen durch Sex mit schwarzen Männern für ihren Status »bestraft« werden. Das sind Filmchen mit brutalen Titeln, von denen es auf Pornowebsites nur so wimmelt, obwohl sogar innerhalb der Industrie Darsteller vor solchen Darstellungen zurückschrecken. Wenn man das global verbreitet, kann die feindliche Welt das sehen, was sie schon immer sehen wollte: einen Stamm von Eroberern, der nun selbst erobert wurde. Genau das ist Demütigung.

Durch die Medien wird die Simulation vollendet und vergegenständlicht, indem man zur prestigeträchtigen Ideologie macht, dass die Unterworfenen für einen Platz im herrschenden System freiwillig ihre Waffen, Körper und Familien aufgeben, ohne dass ein einziger Schuss fällt. Und für widerspenstige Eltern kommt die ultimative Machtdemonstration, wenn die Kinder freiwillig mitmachen, um es ihnen zu zeigen. Amerikaner lieben rotes Fleisch und ein weitläufiges, freies Leben. Also werdet ihr dazu gebracht, Käfer zu fressen und in Kapseln zu leben, und die werden euch davon überzeugen, dass ihr genau das wollt. Ihr werdet euch selbst einreden, dass ihr die Welt rettet, während die nur kichern, weil sie wissen, dass sie euch dazu bringen können, alles zu glauben und zu tun, was sie wollen.

Demütigung dient zur Steuerung. Die lieben es, wenn ihr lauthals verkündet, ihr würdet niemals Käfer essen: »No, Sir!« Die sind überzeugt davon, dass euer Protest nur hilfloses Gewimmer ist. Die wollen euch sehen, wie ihr ohne Waffen und Käfer fressend in eurer Wohnkapsel ein Mischlingsenkelkind aufzieht, weil eure Tochter an einer Überdosis krepiert ist, und eurem Transensohn dafür Applaus spendet, dass er sich in der Öffentlichkeit vernaschen lässt – nicht etwa, weil das gut für die Gesellschaft wäre. Sondern nur deshalb, weil die das für eine lustige Bestrafung halten. Historische Rache. Die gewundenen Wege, auf denen Menschen versucht haben, die vorherrschende Hierarchie zu kontrollieren und diejenigen zu brechen, die sie hassten oder unterwerfen wollten, gehen weit zurück. All das ist nichts Neues.

(Originaltext: »The Feasts of Shame«; in: The American Sun vom 1. Januar 2020.)
(Autor: »Borzoi« alias »John Chapman«)
(Übersetzung: Nils Wegner)

Der erste Teil des Gesamttextes findet sich hier.

  1. »Selbstverwirklichung« wird hier im Sinne Theodore Kaczynskis verwendet, der im englischen Original seines Manifestes »Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft« den Begriff Power process gleichermaßen für den Trieb zur und den Vorgang der freien Entfaltung des Einzelnen, wofür dieser zuerst Macht erlangen müsse, nutzte. [N. W.] ↩︎
  2. Wortspiel mit der Marxschen Wendung vom »Lumpenproletariat« (engl. Lumpenproles), das im Zuge der Verelendung sein Klassenbewusstsein verloren habe und deshalb den »Auswurf, Abfall, Abhub aller Klassen« und eine Gefahr für die Arbeiterbewegung darstelle. [N. W.] ↩︎

3 Kommentare zu „Hochfeste der Scham (II): Besetzte Amerikaner“

  1. Man sollte auch mal einen Artikel veröffentlichen, in dem genau untersucht wird, warum seit vielen Jahren in praktisch allen Serien und Filmen gemischtrassige und hierbei meist in der Form „weißes Mädchen – schwarzer Mann“ und oft auch noch homosexuellen und transsexuelle „Paare“ dargestellt und meist sogar positiv- also vorbildhaft dargestellt werden.

    Man stelle sich alle diese Filme mal vor – es geht derzeit leider nur in der Phantasie da solche Filme seit Jahrzehnten nicht mehr gedreht werden, wenn man weiße Familien und strahlende blonde weiße Helden oder auch nur normale weiße Paare sehen würde…. ?!

    Welche Version würde einem besser gefallen, auf welche Zukunft würde man eher hinarbeiten wollen?
    — und warum geschieht das nicht mit aller Macht, sondern das Gegenteil davon?

    Wer – und das ist die entscheidende Frage! – trägt dafür die Verantwortung?
    Wenn man den o.a. Artikel darauf adaptiert erhält man einen Teil der Antwort.

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