Von rechts gelesen – Sendung 186 –Hesperialismus gegen Nationalstaat

Der Nationalstaat ist das Heiligtum der politischen Rechten. Was für weite Teile der patriotischen Parteienlandschaft im In- wie Ausland definitiv gilt, muss hinsichtlich des Vorfelds genauer betrachtet werden: Denn hier existiert nicht erst seit gestern ein zartes politisches Pflänzchen, das Europa in den Mittelpunkt politischer Bestrebungen stellt. Auch Jungeuropa gehört dazu.

Der Althistoriker David Engels hat mit seiner aktuellen Schrift »Das Abendland verteidigen« einen interessanten neuerlichen Debattenaufschlag vorgelegt, der ein gemeinsames Europa aus kultureller – und christlicher – Perspektive neu denken will. Volker Zierke, Benedikt Kaiser und Philip Stein haben sein Konzept geprüft.

5 Gedanken zu „Von rechts gelesen – Sendung 186 –Hesperialismus gegen Nationalstaat“

  1. Eine Podcastepisode, die mich ehrlich gesagt mit großen Fragezeichen zurücklässt. Ich kann das gezeichnete Bild von Engels als „Brückenbauer“ und „versöhnlichen Menschen“ überhaupt nicht nachvollziehen.

    Engels hat doch während seiner Tätigkeit am Westinstitut Posen mehrfach Kommentare zur Frage der deutschen Reparationen für Polen geschrieben und dort von einer „unleugbaren moralischen Verantwortung, was den Versuch der genozidären Ausrottung des polnischen Volkes“ gesprochen. Die Reparationsforderung von 1,3 Billionen Euro bezeichnet er ebenfalls als moralisch nicht anzweifelbar. Außerdem fordert er ein ein Denkmal für die getöteten Polen in Deutschland. Zu den Vetreibungen und Annexionen am Kriegsende oder in der Zwischenkriegszeit habe ich dagegen von Engels nichts gefunden.

    Er unterstützt also offen die antideutsche Linie der polnischen Rechten (nicht nur der PiS) die ja dem europäischen Gedanken des Jungeuropa konträr gegenüber steht. Insgesamt geht das meiner Meinung über das im Podcast erwähnte Geschmäckle hinaus und ich frage mich warum so jemand für Jungeuropa relevant ist.

    Ich würde mir allgemein eine eigene Podcast-Folge zu dieser „polnischen Problematik“ wünschen.

    1. Mich haut Engels auch nicht vom Hocker; Kositza hatte sich einmal über einen Artikel, den er in der „Achse des Guten“ schrieb, geärgert. War in einer „Am Rande der Gesellschaft“-Episode. Das wäre so, als würde jemand bei McDonald’s über gesunde Ernährung referieren oder so ähnlich.

      Stein stimme ich zwar zu, daß über den Glauben zu debattieren oft fruchtlos bleibt, wie ja auch Vox Day in „On the Existence of gods“ im Nachwort schrieb: „A man convinced against his will is of the same opinion still.“ (Hier ging es um die Lachfigur Sam Harris.)

      Daß Transzendenz allerdings vorm Christentum existierte, ist ja für einen Christen nicht der Fall, da er ja glaubt, daß Gottvater immer schon existiert und _dadurch_ auch ein Platon und Aristoteles sich mit Fragen über Ewigkeit, Moral, Gott usw. usf. beschäftigen konnte.

      Vor allem ist ja Moral ohne Gott nicht denkbar, denn wäre ich Atheist, dann kochte ich mein eigenes Süppchen und sähe keinen Grund, mich irgendeiner Privatmoral eines Dr. Paschulke zu unterwerfen.

      Hier muß man anzweifeln, ob Engels‘ Sichtweise wirklich christlich ist. Daß nämlich die katholische Kirche heidnische Elemente aufnahm, ist für mich keine richtige Fortführung des Heidentums. Wie Thomas E. Woods in „How the Catholic Church Built Western Civilization“ schrieb, haben die Heiden, auch die Griechen, Römer, Germanen, schwache Kinder getötet (zum Sterben z. B. auf die Straße gelegt). Das wurde von Konstantin verboten.

      Auch müßte es Engels ja eben nicht egal sein, ob Leute an Christus Jesus glauben oder nicht, schließlich geht es um die Ewigkeit mit doppeltem Ausgang — wie auch immer am Ende Himmel und Hölle aussehen mögen. S. hierzu z. B. Vox Days kürzliche Ausführungen:

      https://www.youtube.com/watch?v=hUysnpMRSLg&t=1807

      Da muß man auch Benoist fragen, warum er sich nicht, wie die Kelten, den Po blau anmalt. Oder schwache/behinderte Kinder tötet. Daß in den ersten Jahrhunderten der Urkirche Heiden geradezu Jagd auf Christen machten, sollte bekannt sein. S. z. B. diesen Essay:

      https://megasociety.org/noesis/181#Thoughts

      (7. Extreme torture of Christians, incredibly cruel and terrifying. seemed to be fairly common) [Hier geht es um die Kirchenväter.]

      Was eine Re-Christianisierung angeht, kann ich Herrn Zirke zwar zustimmen, hoffe aber auf ein Wunder. Denn ich, Kaisers Jahrgang, kam mit dreißig zum Glauben — hatte eine Bekehrungserfahrung durchs Lesen über das Problem des Bösen (auf gotquestions, durch Vox Day beeinflußt, der Protestant ist) — und bin seitdem im Glauben. Natürlich (leider) in keiner Gemeinde, da gerade die EKD in einem traurigen Zustand sich befindet.

      Auch Herr Kubitschek meinte in einem Podcast von 2021 — mit Kaiser und Lehnert –, daß er in den letzten fünf Jahren zirka fünfzehn Messen besuchte und nach fünf Minuten wieder verlaßen mußte, da es einfach unerträglich war.

  2. Sehr interessante Podcast-Episode. Der gute David Engels ist ein hervorragender Autor. Muss aber sagen, sein Spengler-Buch kannte ich bisher noch nicht. Danke für den Tipp.
    Habe es mir dann auch kurz im Netz angesehen und es klingt interessant, aber 62,99 Euro sind mir dann doch ein bisschen zu viel für ein ebook: https://shop.kohlhammer.de/oswald-spengler-37494.html#147=9
    Aber trotzdem danke; ich schätze Herrn Engels. Auch er will ja ebenso wie wir, dass Europa weiterhin europäisch bleibt. Und wie dieses Europa dann aussieht, darüber kann man ja dann lebhaft diskutieren, wenn man gewonnen und Europa vor seinen aktuellen Bedrohungen gerettet hat. Man wird sich gewiss einig werden 🙂

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