Okamura in Berlin: »Meinungsfreiheit« gegen Heimatvertriebene

Am vergangenen Freitag und Samstag fand im Berliner Paul-Löbe-Haus der »1. Demokratiekongress« der AfD-Bundestagsfraktion statt. Während deutsche Medien sich im Vorfeld insbesondere über die Teilnahme des schillernden Verlegers Holger Friedrich echauffierten, sorgte fraktionsintern die Einladung des tschechischen Politikers Tomio Okamura für Verärgerung. Ein Abriss:

Oft verläuft die gesunde und zukunftsträchtige nationale Identität nur auf einem schmalen Grat: Auf der einen Seite liegt die so wichtige Besinnung auf die mehr als tausendjährige Geschichte unseres Volkes. Auf der anderen Seite liegt die Verzettelung im Klein-Klein all der Scharmützel, Schlachten und sonstigen Scheußlichkeiten, die Konflikte zwischen Stämmen, Regionen und Nationen in diese Historie eingeprägt haben.

Gerade uns, die wir bei Jungeuropa den Ansatz »Deutschland zuerst« für allzu simpel halten, tönt es regelmäßig entgegen: Wie soll denn eine neue europäische Perspektive aussehen, wenn nicht einmal Nord- und Süddeutsche für gemeinsame Interessen einstehen können, von den Berlinern ganz zu schweigen? Noch problematischer erscheint die Lage beim Blick auf unsere äußeren Nachbarn, die ihre eigenen Probleme im Innern und untereinander haben – sich aber schnell zusammenfinden, wenn es gilt, Deutschland in die historische Ecke zu stellen.

Überwinden lässt sich diese Pattsituation nur durch eine Abstimmung auf Augenhöhe, die einen echten europäischen Schulterschluss ohne Cliquenbildung, Erpressungsversuche und rhetorische Leichenschändung vorbereitet. Definitiv nicht hilfreich ist hingegen die klassisch bundesrepublikanische Geste des Bücklings – so, wie sie in den vergangenen Tagen leider die AfD-Bundestagsfraktion vorexerziert hat. Auf der Gästeliste ihres für den 26. und 27. Juni angesetzten »1. Demokratiekongresses« fanden sich bereits genug höchst fragwürdige deutsche Figuren wie der ehemalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. Für den größten Wirbel sorgte jedoch die Personalie Tomio Okamuras, des Vorsitzenden der rechtspopulistischen tschechischen Partei SPD und Präsidenten des dortigen Abgeordnetenhauses.

Vertreibung und Ermordung »absolut gerecht und richtig«?

Der ehemalige Müllmann Okamura ist nicht gerade für seinen strategischen Weitblick bekannt. Seit seinem Einstieg in die Politik 2012 schätzen die Wähler vielmehr sein zum »Markenkern« gewordenes verbales Eindreschen auf Minderheiten, seien es Zigeuner, Moslems – oder die Sudetendeutschen. Deren massenhafte Ermordung und millionenweise Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die versuchte rückwirkende Legitimierung dieser ethnischen Säuberung durch die sogenannten Beneš-Dekrete hat Okamura wiederholt als »absolut gerecht und richtig« bezeichnet, zuletzt erst im Mai dieses Jahres. U. a. vom AfD-Bundestagsabgeordneten Torben Braga erhobene Forderungen nach einer Ausladung des Tschechen vom »Demokratiekongress« unter dem Motto »Meinungsfreiheit, Medien, Menschenrechte« wurden nicht beachtet.

Klar ist: Wir können die an den Sudetendeutschen begangenen Verbrechen heute nicht mehr ungeschehen machen. Ebenso klar ist aber auch: Wer ihr historisches Vermächtnis und die Mahnung ihres Schicksals achtlos beiseite wischt, weil er einem ausländischen Politiker gefallen und/oder sich mit ihm schmücken möchte, der schreibt die unselige Geschichte der Liebedienerei und Unterwürfigkeit nach außen fort, die die deutsche Politik seit acht Jahrzehnten prägt. Fraktionspartnerschaft auf EU-Ebene hin oder her.

Die Heimatvertriebenen sind ein essenzieller Teil unserer deutschen Geschichte und Identität, die aus dem Sudetenland ebenso wie jene aus Ostpreußen, Pommern oder dem Memelland. Wer es ernst meint mit der Forderung nach souveräner deutscher Politik, der kann niemandem den roten Teppich ausrollen, der in seinem Land auf dem Rücken dieser Vertriebenen auf Stimmenfang geht.

Wie kam es so weit?

Die Geschichte des Sudetenlandes und seiner deutschen Bevölkerung ist untrennbar verbunden mit den Winkelzügen der europäischen Politik in den 1930er-Jahren. In Das Ende der Beneš-Republik berichtete der tschechische Generalstabsoffizier und Strategiefachmann Emanuel Moravec nach dem Abschluss des Münchener Abkommens davon, wie die Tschechoslowakei unter Staatspräsident Edvard Beneš von Frankreich und England zur Drangsalierung der deutschen Minderheit ermuntert und schließlich im entscheidenden Moment hintergangen worden sei. Am Ende stand das heute berüchtigte Münchener Abkommen – das Vorspiel zu den späteren mörderischen Beneš-Dekreten.

Diesen Hergang der Geschichte zu kennen ist unabdingbar für eine selbstbewusste heutige Haltung gegenüber sinn- und substanzlosen heutigen Frechheiten wie denen Okamuras. Deshalb ist dieses historische Dokument in einer durchgesehenen Fassung mit Einordnung und Kommentierung durch den tschechischstämmigen deutschen Übersetzer und Politiker Antonín Brousek bei Jungeuropa neu erschienen – und heute aktueller denn je.

Militärexperte und Romanautor Volker Zierke, der an der Gestaltung des Buches beteiligt war, hat mit Jungeuropa-Verleger Philip Stein ausführlich über Moravec, die deutsche Minderheit in der Tschechoslowakei als Spielball der Großmächte und die Schicksale der Vertriebenen gesprochen:

Ein Kommentar zu „Okamura in Berlin: »Meinungsfreiheit« gegen Heimatvertriebene“

  1. Die Heimatvertriebenen sowie die an ihnen begangenen Verbrechen nicht zu vergessen ist eine heilige Pflicht für alle deutschen Patrioten!
    Ebensowenig dürfen wir den Verrat der Altparteien an ihnen vergessen; denkt an die Wahlplakate von CDU, SPD und FDP von früher! Und daran was aus diesen Versprechen wurde!
    Und daran, was sie mit dem heutigen Restdeutschland machen 🙁

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