Von rechts gelesen – Sendung 202 – »Sanditz«

Der Osten, der muss nun allerorten erklärt werden: Warum sind die neuen Bundesländer, wie sie sind, warum wählen die Bürger, was sie wählen, woher kommt die Wut, woher die Unversöhnlichkeit? Dieses Erklären, dieses Analysieren, das scheinbare Verstehen-Wollen hat Konjunktur im gesamtdeutschen Feuilleton, aber auch in der Welt der Romane und Filme. Jetzt schickt der in der Oberlausitz aufgewachsene Lukas Rietzschel seinen Roman »Sanditz« ins Rennen, der aus verschiedenen Perspektiven ostdeutsche Lebenswelten erforschen soll – vom Dorf, das dem Tagebau zum Opfer fällt, von Stasi-Repressionen und dem Widerstand der Bürger, vom Studium als »Ossi« im Westen, vom Zerfall eines Staates und einer Gesellschaft, von Sinnsuche, Corona und Ukrainekrieg.

Dabei wendet der recht junge Autor souverän sein Handwerkszeug an. Bei Benedikt Kaiser, Volker Zierke und Philip Stein will dennoch nicht so recht Einigkeit darüber entstehen, ob das Ergebnis denn zum »guten« Roman taugt. Deckt der Roman mit all seinen Facetten die Kernfrage ab – warum der Osten so ist, wie er ist?

2 Kommentare zu „Von rechts gelesen – Sendung 202 – »Sanditz«“

  1. Habe bisher weder „Sanditz“ gelesen noch die Podcast-Folge gehört.

    Beim Erblicken des Namens Lukas Rietzschel gingen bei mir aber sofort sämtliche Alarmglocken an.

    Diese Edelfeder hatte nämlich schon mal einen Roman vorgelegt. Titel: „Mit der Faust in die Welt schlagen“.

    Darin geht es um die „Radikalisierung“ von „abgehängten“ Jugendlichen in „Ostdeutschland“.
    Bereits nach den ersten Zeilen wusste man, was da vorgestellt wird: Der xte Aufguss des Immergleichen.

    Da hätte man auch ein Erzeugnis der Amadeu-Antonio-Stiftung studieren, „Leipzig nimmt Platz“ besichtigen oder die „Omas gegen RÄÄÄÄÄÄÄCHTS“ oder Katrin Göring-Eckardt bestellen können. Oder den Ergüssen des 88. Mainstreamsoziologen bei Markus Lanz oder Maybrit Illner über „Der rechtsextremistische Ossi, das unbekannte Wesen“ lauschen.

    Nachdem sich wegen der mit Baseballschläger verabreichten Klischeeansammlung bereits zu Beginn von „Mit der Faust in die Welt schlagen“ Brechreiz und Migräne eingestellt hatten, habe ich das Buch lieber in der Mottenkiste verstaut. Und Lukas Rietzschel abgehakt.

    Wie so viele Kunstschaffende scheint Rietzschel ein feines Gespür dafür zu haben, was man in Reichstag und ARD-Hauptstadtstudio gerne lesen und loben möchte.

    Ein Foto in seinem Wikipedia-Eintrag zeigt Rietzschel (angeblich 2021) mit Mundwindel ausgestattet beim Buchsignieren.

    Aber vielleicht findet ja auch mal ein atemreduziertes Literaturhuhn ein Korn.

    Bin gespannt auf den Podcast.

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