»Sankya« wird verfilmt!

Nachdem bereits eines unserer Bücher als Theaterstück adaptiert und in Moskau aufgeführt worden ist, nämlich Russendämmerung von Ilia Ryvkin, folgt nun die erste Verfilmung: Sankya, dieser rasante, derbe und regierungskritische Roman, wird in Russland verfilmt!

Die Dreharbeiten in Moskau und der Oblast Kaluga haben Mitte September 2026 begonnen. Und offenbar lässt man sich das Projekt einiges kosten: Das Gesamtbudget liegt bei rund 590 Millionen Rubel – umgerechnet etwa sechs Millionen Euro. Bereits im Februar 2027 soll der Film in die russischen Kinos kommen. Ob er auch in Europa zu sehen sein wird, ist allerdings fraglich …

Wir freuen uns sehr über die Verfilmung dieses wirklich einzigartigen Romans, der sowohl für »Russenstusser« als auch für »Westextreme« ein echtes Ärgernis ist und zuverlässig weltanschauliche Rätsel aufgibt – so wie Jungeuropa eben auch.

Andererseits haben wir uns durchaus auch ein wenig gewundert. Denn obgleich sich die Kritik des Protagonisten im Roman, des jungen Rebellen Sascha Tischin, und seiner Truppe gegen das Russland der späten 1990er-Jahre richtet, enthält der Roman zahlreiche harte und klare Passagen, die sich ebenso auf das heutige Russland und dessen Führung beziehen könnten. Eine Kostprobe:

»Ganz im Gegenteil, es gibt die Nation – nur lechzt sie nach Befreiung. Es ist gar nicht notwendig, eine neue Nation zu erfinden, nein. Und es ist auch nicht notwendig, das Land mit Fremden zu besiedeln. Und wir müssen uns selbst auch nicht in Reservate zurückziehen, um zu überleben. Wir haben schon ein Volk.«

Prilepin selbst hat seit den Tagen, in denen Sankya entstand, einen bemerkenswerten politischen Weg zurückgelegt. Aus dem radikalen Oppositionellen ist längst ein Unterstützer der russischen Regierung und ihrer Politik geworden. Während er einst selbst aus dem nationalbolschewistischen Milieu kam und gegen den Staat opponierte, bezeichnet er sich heute ausdrücklich als »Antifaschist« und geht mit Teilen der gegenwärtigen russischen Rechten hart ins Gericht. Kein Wunder also, dass Prilepin gerade in jenen Teilen der russischen Rechten, die Putin »von rechts« kritisieren, mittlerweile selbst angegriffen wird.

Umso überraschender ist, dass ausgerechnet Sankya jetzt mit erheblichem Budget verfilmt wird. Denn der Roman ist geblieben, was er 2006 war: eine radikale Abrechnung mit den russischen Verhältnissen, erzählt aus der Perspektive junger Nationalbolschewisten, die sich revolutionär gegen den Staat stellen und ihm vorwerfen, das eigene russische Volk zu vergessen. Dass ein solcher Stoff im Russland des Jahres 2026 für die große Leinwand adaptiert wird, hätten wir jedenfalls nicht erwartet.

Entscheidend wird deshalb sein, wie viel von dieser politischen Sprengkraft tatsächlich im Film landet.

Wir bleiben gespannt!

Video der Dreharbeiten:

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