Christopher Nolan verfilmt »Die Odyssee« und spaltet damit die Gemüter: Auf X beklagt man von rechts die multikulturelle Besetzung, kritisiert die fehlende historische Authentizität, die graue Welt, die schnöde Sprache – und trotzdem steuert der Film auf ein Einspielergebnis von einer Milliarde Dollar zu. Wie kann das sein?
Philip Stein, der »KvlturBanause« und Volker Zierke waren in Nolans Neuinterpretation des homerischen Epos und dröseln die Dinge der Reihe nach auf – und klären, ob das am Ende auch ein guter Film ist.
In den Schulen wird dieser europäische Urmythos kaum noch behandelt. Selbst hatte ich es in Schwabs Sagen des klassischen Altertums gelesen. Voss wörtliche Übersetzung ist aus heutiger Sicht schwer verdaulich, auch Schwab hat nach heutigen Lesegewohnheiten Längen. Da ist schon der große Verdienst des Filmes, diesen Sagenstoff frisch aufzubereiten und einer breiten Masse wieder bekannt zu machen. Die woken Elemente konnte ich ausblenden oder man kann es sogar in seinem Sinne umdeuten. Die schwarze Helena als Menetekel der europäischen Überfremdung? So hatte ich mir seinerzeit auch die schwarze Germania in Rammsteins Deutschland schön geredet.
Sehr bedenkenswerte Diskussion, trotzdem bin ich diesmal gewillt, eher dem Kollegen Lichtmesz zu folgen der recht gut begründet, warum Nolan sogar die Nolansche Lesart schlecht umgesetzt hat.
Heute konnte ich bei JACOBIN auch noch „Troja ist Gaza“ lesen, damit dürfte der Film jetzt von wirklich allen Seiten ausreichend seziert worden sein.
Da hat mich MovieAmphs aber deutlich mehr überzeugt.
Ich schwanke zwischen Lichtmesz und Zierke, wie ich so oft zwischen Dosenbier und Rotwein schwanke. Beides ist herrlich.